Greta, die junge Frau aus Schweden mit den lustigen Zöpfen, ist im Nu von einer Schulschwänzerin zur weltweiten Ikone geworden. Ob gewollt oder nicht, sie ist heute das Aushängeschild der jungen globalen Klimabewegung. Sie liest der Politik die Leviten, redet der Wirtschaft und den Medien ins Gewissen, hält den Erwachsenen den Spiegel vor.

Was Staatsfrauen, Klimaforscher, NGOs seit Jahrzehnten mühsam versuchen, hat Greta in ein paar Wochen geschafft: die Massen zu bewegen und die Klimakrise auf die politische Hauptagenda zu setzen, auch in der Schweiz. Die FDP will plötzlich grüner werden, der Bundesrat die Klimaziele verschärfen, und die Bundespolitiker debattieren über ein griffigeres CO2-Gesetz. Der Effekt ist bemerkenswert.

Natürlich wird das Treiben dieser jungen Frau auch argwöhnisch beobachtet. Kritiker sind schnell zur Stelle. Sie sei populistisch wie Trump, habe einen extremen Geltungsdrang, werde von der Klimalobby missbraucht und habe keine Ahnung vom Klima. Vorwürfe gehen auch an die Adresse der Eltern. Mit ihrem Asperger-Syndrom wäre sie eher auf Hilfe angewiesen, anstatt so gepuscht zu werden.

Bei ihren Aktionen wird das Haar in der Suppe gesucht und ihr Ziel, die Menschen angesichts der bedrohlichen Klimakrise wachzurütteln, ausgeblendet. Es ist eben einfacher, sich mit diesem Mädchen zu beschäftigen als mit den komplizierten Klimaprozessen, der Klimapolitik und unser aller Verantwortung. Spricht man von den Klimastreiks, bekommt man ähnliche Reaktionen zu hören. Statt zu streiken, sollen die Jugendlichen selber handeln und nicht dauernd mit dem Flugzeug in der Welt herumjetten. Natürlich müssen auch sie ihr Verhalten ändern. Doch mit diesem Vorwurf lenken die Erwachsenen nur von ihrer eigenen Verantwortung ab. Die junge Generation trägt nämlich nicht die Hauptverantwortung für das ganze CO2 in der Atmosphäre. Ausserdem wissen wir Erwachsenen schon lange, was wir mit dem CO2-Ausstoss anrichten.

Die Forscher gehen schon seit mehr als 100 Jahren davon aus, dass CO2, das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht, massgeblich zur Erderwärmung beiträgt. Seit 1970 ist das Tempo und Ausmass der Erwärmung ausserordentlich gross. Seit mehr als 20 Jahren gibt es den Weltklimarat und seine Publikationen zur Klimaentwicklung. Hätten die Erwachsenen, die Politiker, die Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten dieses Wissen ernst genommen und entsprechend gehandelt, müsste die Klimajugend heute nicht auf die Strasse gehen und Zukunftsängste haben.

Bereits vor zehn Jahren schrieb auch die Schweizerische Nationalkommission Justitia et Pax im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz, dass die Klimakrise nur solidarisch gelöst werden kann. Politik und Wirtschaft, aber auch jeder Einzelne wurde aufgerufen, politische Weichenstellungen zu unterstützen und selbst einen klimaverträglichen Lebensstil zu pflegen.

Wir haben viel Zeit mit Nichtstun und mit halbherzigen Entscheiden verloren. Nun drängt die Zeit. Wir haben aber immer noch die Möglichkeit, mit mutigen konsequenten Entscheiden in den relevanten Bereichen wie der Energie- und Verkehrspolitik, im Gebäudebereich und Ernährungssektor, die richtigen Entscheide zu treffen, damit unsere Kinder nicht mit einer riesigen Klima-Hypothek in ihre Zukunft starten müssen.

Dieser Gastkommentar von Anita Mazzetta zur Klimakrise erschien am 29. August 2019 im Bündner Tagblatt.

Wir aben viel Zeit mit Nichtstun und mit halbherzigen Entscheiden verloren.
Anita Mazzetta, Nationalratskandidatin Verda